Märkische Allgemeine Zeitung,01.09.2009:
TÖPLITZ - Nach dem Brand einer Reithalle in Töplitz am Wochenende gibt es noch keine Erkenntnisse, wie das Feuer entstanden ist. „Die umfangreichen Ermittlungen gehen weiter, Brandursachenermittler sind am Brandort, es gibt viele Vernehmungen“, sagte Heiko Schmidt, Sprecher der Polizei im Schutzbereich Brandenburg, der MAZ. In der Nacht zu Samstag war, wie berichtet, ein großer Holzstapel an der Giebelwand des Hauses in Brand geraten. Die Flammen hatten sich zehn Meter weit in das Hallendach gefressen und die Holzträger zerstört. Die Schadenshöhe steht noch nicht fest. Die Polizei schenkt dem Fall besonderes Augenmerk, da der Besitzer der beschädigten Reithalle seit Monaten Ziel von Schikanen, Sachbeschädigungen und Drohungen ist. Auch wenn die Polizei nach dem Brand der Reithalle von Klaus W. am Sonnabend eine technische Brandursache nicht ausschließt – das Feuer hat die Angst in Töplitz wieder geschürt. Zu viele Angriffe, Nazi-Schmierereien gegen den Reiterhofbesitzer und dessen Streitereien mit einer Tuning-Clique halten die betroffene Familie und den Ort in Atem. Hauptgegener in dieser Auseinandersetzung sind der Reiterhofbesitzer Klaus W. und ein junger Mann aus dem Ort, der zu der VW-Gang gehört und früher W.’s Mieter war – bis sie in Streit gerieten. Die Polizei hat dem jungen Mann schon ins Gewissen geredet und ihn vor unbesonnenen Handlungen gewarnt. Der Fall ist mittlerweile bei der Schutzbereichsspitze angebunden. „Hass und Gewalt gegen Bürger, die einen ganzen Ort in Angst und Schrecken versetzen, können wir nicht länger hinnehmen“, sagt Pfarrer Hans-Jürgen Viebig, der sich seit über 20 Jahren in der Gemeinde auskennt. Er und Ortsbürgermeister Frank Ringel (BB Töplitz) bereiten für diese Woche die Zusammenkunft einer Kommission aus Vertretern der Stadt, des Ortes, der Polizei und Experten für Konfliktbewältigung vor. „Unser Ziel ist es, das Konfliktpotential zwischen den Beteiligten abzubauen, mit beiden zu reden und sie möglicherweise sogar an einen Tisch zu holen. Dabei sind wir aber auf deren Mitwirkung angewiesen. Doch wir können es nicht zulassen, dass Täter ohne Hemmschwelle Bürger in Gefahr bringen und eine Gemeinde in Angst lebt“, sagt Viebig. „Wir wissen zwar noch nicht, was und wer den Brand verursacht hat, aber die Unwissenheit darüber lässt es nicht zu, dass wir gar nichts tun und abwarten“, sagt der Pfarrer und hofft, dass die Sicherheitspartnerschaft schon nach der ersten Beratung in dieser Woche ein Schritt weiter ist und die Entspannung der Lage im Ort einleiten kann. uw rgrSICHERHEIT: Gegen Hass und Gewalt
Töplitzer wollen unberechenbaren Konflikt lösen

TÖPLITZ - Eine Anwohnerin hatte am Sonnabend in den frühen Morgenstunden in der Nachbarschaft merkwürdiges Knistern wahrgenommen, einen Feuerschein bemerkt und dies der Polizei gemeldet. Zu dieser Zeit brannte ein großer Holzstapel, der an einer Reithalle aufgeschichtet war. Der Betreiber des Pferdehofs Klaus W. verkauft die Scheite als Feuerholz, der Weg dorthin ist für jedermann zugänglich. Die Flammen griffen auf die Balkenkonstruktion und das Dach der Reithalle über. Nach ersten Einschätzungen der Polizei ist das Gebäude nicht mehr nutzbar. Ein Anbau mit Schleppdach wurde ebenfalls Raub der Flammen. Menschen waren zu keinem Zeitpunkt in Gefahr, Pferde auch nicht. Die Schadenshöhe steht noch nicht fest. „Derzeit kann weder eine technische Brandursache noch Brandstiftung ausgeschlossen werden“, teilt Heiko Schmidt von der Pressestelle des Schutzbereiches Brandenburg der MAZ mit. Bei der Polizei hat das Feuer intensive Ermittlungen ausgelöst, denn der Tatort steht seit Monaten unter verschärfter Beobachtung. Eine Tatortgruppe des Landeskriminalamts war am Samstag am Brandort, um die Spurensicherungs-Experten der Brandenburger Polizei zu unterstützen. Auch zwei Brandmittelspürhunde der Berliner Polizei wurden eingesetzt. Die Kripo des Schutzbereiches Brandenburg hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Das Gebäude gehört dem aus West-Berlin zugezogenen Unternehmer Klaus W., gegen den Unbekannte wiederholt Todesdrohungen ausgesprochen hatten, dessen Stallungen und Lager großflächig mit Nazi-Symbolen beschmiert und dessen Familie bedroht worden war (MAZ berichtet). Hintergrund der Hetzkampagne sind offenbar private Streitigkeiten zwischen W. und Mitgliedern der VW-Tuningszene, die sich wochenends in Töplitz trifft _ dort wohnt ein Mitglied, das früher bei W. zur Miete wohnte, dem der Berliner aber im Streit kündigte. Seither halten öfter getunte Autos nachts vor dem Privathaus des Unternehmers und drehen die Stereoanlagen auf. Noch ist nicht klar, was den Brand ausgelöst hat, aber an Zufall glauben in Töplitz nur wenige. Verhärtet sind die Fronten, auch soll Klaus W. schon körperlich angegriffen worden sein – ein Auto soll ihn angefahren haben. Mehrfach zerstörten Unbekannte Anlagen und einen Schuppen auf dem von Klaus W. wieder mit Reben versehenen alten Weinberg. „Ich muss das erstmal verarbeiten“, sagte der Betroffene gestern der MAZ. „Ich kann jetzt dazu und wie es weiter geht erstmal gar nichts sagen. Wir warten darauf, was die Ermittlungen ergeben.“ Zum Brandort waren am Sonnabend auch der stellvertretende Bürgermeister von Werder, Hartmut Schröder, und Ortsvorsteher Frank Ringel geeilt. „Wir müssen jetzt die Ermittlungen der Polizei abwarten“, sagt Schröder. Auf MAZ-Nachfrage bestätigt Ringel, dass zum Schutz des Betroffenen und dessen Familie im Juni eine Ordnungspartnerschaft mit Vertretern der Polizei, der Stadtverwaltung und Töplitzer Bürgern gegründet wurde. Es habe auch mehr Kontrollen im Umfeld des Reiterhofes gegeben. „Aber in den vergangenen Wochen war es total ruhig, gab es keinen Grund für besondere Maßnahmen“, sagt Ringel. (Von Ulrich Wangemann und Regine Greiner)FEUER: Reithalle in Flammen
An Zufall glauben in Töplitz wenige/ Seit langem Hetzkampagne gegen Inhaber

Resolution des Ortsbeirates Töplitz
zu den Vorfällen am „Alten Weinberg“
Dr. Hermann Kues, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, zeichnete am 25. Mai 2009 93 Städte, Gemeinden und Landkreise für ihr beispielhaftes Engagement im Kampf gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt als „Orte der Vielfalt“ aus.
Zu den ausgezeichneten Städten zählt auch die Stadt Werder (Havel). Der Bürgermeister Werner Große nahm die Auszeichnung am 25. Mai 2009 auch im Namen der Bürger des Ortsteiles Töplitz entgegen. Zur Bewerbung, die von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig unterstützt wurde, haben auch die Töplitzer ihren Beitrag eingebracht und sich damit gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus positioniert.
Zu diesem Zeitpunkt waren die Ereignisse am Alten Weinberg der Öffentlichkeit noch nicht bekannt.
In der Nacht vom 21. zum 22. Mai beschmierten Unbekannte Gebäude am Alten Weinberg mit Neonazi-Parolen, SS-Runen, Hakenkreuze und rassistischen Sprüchen. Dieses Ausmaß an rechtsradikalem Gedankengut hat in der Gemeinde Töplitz und über ihre Grenzen hinaus zu Empörung und Abscheu gesorgt.
Wir Töplitzer gehören zur Stadt Werder und stehen zum „Ort der Vielfalt“. Wir verurteilen diese Handlungen auf das Schärfste und fordern eine Aufklärung dieser Vorgänge.
Wir fordern alle demokratischen Kräfte unserer Gemeinde, unsere Bürgerinnen und Bürger, die politischen Parteien, die Kirchengemeinschaften, unsere Bildungseinrichtungen und Vereine auf, jeder Form von Extremismus entschieden entgegenzutreten.
Nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass die Menschenwürde geachtet, demokratische Werte vermittelt sowie Vielfalt und Toleranz in Deutschland und auch in Töplitz gelebt werden.
Siehe auch: Der Kommentar
Hier eine der verwerflichen Schmierereien:
EXTREMISMUS: Sie wollen nicht länger zusehen
Töplitzer gegen rechte Gewalt
So titelt die MAZ einen Artikel von Christopher Kuck, in dem es u. a. heißt:... Es sollte die Frage geklärt werden, wie die Töplitzer auf rechtsextremes und gewaltbereites Handeln reagieren wollen. Denn noch immer ist Klaus W., Betreiber einer Reithalle im Ort, das Angriffsziel der „Autoschrauber“, wie die Jugendlichen in der Gesprächsrunde bezeichnet wurden. In den Nächten kommen sie nach Töplitz, um an ihren Wagen zu basteln. Erst vor kurzem sollen sie die Ställe und Garagen der Familie W. mit Neonazi-Parolen und Drohungen beschmiert haben (MAZ berichtete). Inzwischen machte Klaus W. die Symbole unkenntlich: „Das Hakenkreuz sprühte ich zum Nikolaushaus um.“
Nun wollen Vertreter des Ortsbeirats – darunter auch Ortsvorsteher Ringel selbst – die Initiative „Kurage“ und andere Helfer aus der Jugendarbeit aktiv werden. Sie sicherten auf der Versammlung Klaus W. und seiner Ehefrau ihre Unterstützung zu. Denn wenngleich die Betroffenen der Polizei attestieren, getan zu haben, was in ihrer Macht stand – die Bedrohung nehme momentan wieder zu, berichtete Familie W.
Frank Ringel hofft deshalb auf Unterstützung aller Töplitzer. „Auch der Nachbarn“, wie er mit Nachdruck feststellte. Klaus W. gab zu bedenken, dass er „nicht einmal als Polizist“ inmitten der Jugendlichen aussteigen würde und erwartet deshalb wenig von der „Ordnungspartnerschaft“, die der Ortsbeirat anstrebt. Diese umfasst nach gestrigem Beschluss zum einen eine Telefonkette. Sie soll im Ernstfall helfen, schnell Hilfe organisieren zu können. Zum anderen soll ein Gespräch zwischen Betroffenen und den mutmaßlichen Tätern für Entspannung sorgen. Auch eine Ortsbegehung ist geplant. Familie W. stelle ihre landwirtschaftlichen Geräte auch auf öffentlichen Flächen ab, so Ringel – dies schüre Groll und könne der Grund sein, dass die Töplitzer Bürger nicht die benötigte Unterstützung gäben. Bei dem Treffen vor Ort soll auch geklärt werden, ob die abendlichen Autotreffs auf dem Platz an der Weinbergstraße überhaupt rechtmäßig sind, denn das Areal liegt in einem Landschaftsschutzgebiet.
W. schien dankbar für die Unterstützung zu sein, aber wenig Hoffnung auf ein Ende der Schikanen zu haben. Denn beliebt sei er im Ort nicht, so W. Damit sich dies ändert, wolle er „einen Schritt auf die Nachbarn“ zugehen. Eine starke Gemeinschaft sei das beste Mittel gegen rechte Gewalt. (Von Christopher Kuck, Märkische Allgemeine Zeitung, 02.07.2009)